EINSATZ IM MULTINATIONALEN VERBUND


Einsatzbezogene Fachgebiete und Methoden


30 01 2018

Die Berufsoffiziersanwärter des Jahrgangs „Reichsgraf von Abensperg und Traun" absolvierten vom 15. bis zum 19. Jänner 2018 das Führungstraining des Moduls „Einsatz im multinationalen Verbund", welches im Großraum Eisenstadt, Rust und Wiener Neustadt durchgeführt wurde.

Die finale Übung des Moduls „Einsatz im multinationalen Verbund" bildet den Höhepunkt dieses Ausbildungsabschnitts. Zuvor wurden in der Vorlesung Grundlagen und der integrierten Lehrveranstaltung Taktik dieses Moduls das erforderliche Rüstzeug für den angestrebten Kompetenzgewinn geschaffen.

Im abschließenden Führungstraining wurden dann die zuvor bereits vermittelten Theorien aus der Vorlesung bzw. das im Hörsaal durchgeführte militärische Führungsverfahren der Taktik, des zielgerichteten in sich geschlossenen Denk- und Handlungsablaufs zur Lösung von Führungsaufgaben, in der Praxis angewendet.

Konkret werden dabei die Führungs- und Einsatzgrundsätze sowie die Fertigkeiten und Kompetenzen in der Führung von Einheiten infanteristischer Kampftruppen im Einsatz - im multinationalen Verbund im Rahmen von Crisis Management Operations bzw. Peace Support Operations - vermittelt.

Dabei wird besonders das erforderliche Zusammenwirken mit den Elementen der Führungs-, Kampf- und Einsatzunterstützung sowie den ebenfalls in möglichen Einsatzräumen befindlichen internationalen Organisationen, Governmental- und Non-Governmental Organisations, Medien und lokalen Institutionen im Einsatzraum geschult.


Operation „Ground Squirrel"

Dieses Ausbildungsmodul wurde an Hand des Planspiels mit der Bezeichnung „EUFOR DONUS 2018", unter der Leitung von Oberstleutnant Mag. (FH) Oliver Pilles MA, durchgeführt.

In diesem Szenario haben Kräfte des Österreichischen Bundesheeres im Rahmen einer multinationalen Streitmacht, unter Führung der EU, die Umsetzung und Einhaltung der Bestimmungen eines Waffenstillstandsabkommens zwischen zwei Konfliktparteien sicherzustellen.

Dieses Planspiel hat das Ziel, bei der Teilnehmerin und den Teilnehmern, hinsichtlich Planung und Führung im Einsatz, einen spezifischen Erkenntnisgewinn zu erreichen.

Ausgehend von einem Auftrag oder einer Lageannahme werden dabei die Möglichkeiten des gegnerischen bzw. eigenen Handelns erfasst, beurteilt und in konkrete Handlungsentscheidungen, unter Berücksichtigung der Einsatzrichtlinien, mit zumeist unmittelbarer realer Auswirkung im Übungsverlauf umgesetzt.

Ziel dieser Ausbildung ist die Förderung der Adaptions-, Kommunikations-, Organisations- sowie der Kommunikationsfähigkeit der Berufsoffiziersanwärterinnen und Berufsoffiziersanwärter. Damit soll sichergestellt werden, dass die erfolgversprechendsten Lösungen in den erforderlichen Verfahren selbstständig angewendet werden können.

Die dafür erforderliche Fachkommunikation muss in englischer Sprache erfolgen, sodass in einem multinationalen Szenario Teileinheiten bzw. Einheiten geführt werden können. Ein solcher Einsatz wäre zum Beispiel im Rahmen einer multinationalen Reaktion auf die aktuellen Entwicklungen im Rahmen der Massenmigration möglich.


Kooperation

Der Fachhochschul-Bachelorstudiengang Militärische Führung (FH-BaStg MilFü) wendet für die Durchführung des Ausbildungsmoduls „Einsatz im multinationalen Verbund" das mit der Teilstrategie Verteidigungspolitik vorgegebene Grundprinzip der nationalen sowie der internationalen Kooperation an.

Die neuen Risikobilder erfordern zwangsläufig eine vertiefende Zusammenarbeit mit anderen nationalen Ressorts, Behörden und Blaulichtorganisationen.

Darüber hinaus wird auch die Kooperation mit internationalen Organisationen und Streitkräften von Partnernationen zur Steigerung, Erhaltung und Kompensation von Fähigkeiten der Führungskräfte des Österreichischen Bundesheeres trainiert.


Aus diesem Grund unterstützten einerseits Offiziersanwärter aus Frankreich diesen Ausbildungsabschnitt. Andererseits wurden Offiziere aus Griechenland und Slowenien sowie Offiziere des Österreichischen Bundesheeres mit entsprechender Einsatzerfahrung bzw. Expertise in dieses Führungstraining als Ausbilder integriert.

Mit diesem umfassenden Fachwissen und der Nutzungsmöglichkeit militärischer Infrastruktur im Ausbildungsraum sowie den erforderlichen Abstellungen von Luft- und Heereskraftfahrzeugen leistet die Truppe einen wesentlichen Beitrag für die Erreichung der angestrebten Ausbildungsziele.

Diese hohen Investitionen an Zeit und Ressourcen lohnen sich für das Österreichische Bundesheer, weil die Angehörigen des Jahrgangs „Reichsgraf von Abensperg und Traun" nach der Absolvierung der Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie als Führungskräfte bei den österreichischen Streitkräften ihren Dienst versehen werden.

Das Institut für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie versucht, einerseits unter Berücksichtigung der Einsatz-, Fähigkeits-, Innovations- und der Kooperationsorientierung der Vision des europäischen Exzellenzzentrums für die Offiziersgrundausbildung näher zu kommen.

Andererseits wird damit die bestmögliche Ausbildung der künftigen militärischen Führungskräfte für das Österreichische Bundesheer sichergestellt.

[Inhalt: Mag. (FH) Michel Moser, Oberstleutnantt; Bilder: © TherMilAk/ Thomas Lampersberger]